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"Weg von der Fock, ran an die Pinne!"
25.08.2009 | Autor:
Webmaster | Druckversion |
Erstes Training im Rahmen des Projektes „Frauen an die Pinne“
Am 04. Juli 2009 war es soweit, zwanzig Frauen kamen am Steinhuder Meer zusammen, um gemeinsam zu trainieren. Viele haben zwar einen Segelschein, doch wirklich sicher fühlt sich keine am Steuer. „Endlich, auf so ein Angebot habe ich lange gewartet“, „Einfach klasse, Segeln nur mit Frauen“ – die Teilnehmerinnen waren sich einig, ein Trainingskonzept wie „Frauen an die Pinne“ hat im Segelsport gefehlt.
Seit zwei Jahren arbeitet die Frauenwartin des Segler Verbandes Niedersachsen, Kerstin Levin, an dem Konzept im Rahmen einer Gleichstellungsinitiative des Landessportbund Niedersachsen. „Segeln wiedererlernen, in entspannter Atmosphäre, zusammen mit Gleichgesinnten, das sind die Ziele des Modellprojektes“, erklärte Levin. „So ein Angebot fehlte bisher im Breitensport, das zeigt allein das große Interesse an unserem Training. Ich hatte 34 Anmeldungen, leider musste ich aber die Teilnehmerzahl auf 20 beschränken.“
Die Frauen, die das Glück hatten einen der begehrten Plätze zu ergattern, erwartete ein volles Programm. Der Samstagmorgen begann mit einer Wiederholung der theoretischen Grundlagen, bevor die Boote für die erste Trainingsstunde auf dem Steinhuder Meer fertig gemacht wurden. Trainerin Cornelia Oltmann, erfahrene Regattaseglerin, die normalerweise vor allem Jugendgruppen trainiert, war überrascht, wie unsicher die Frauen sind. „ Sie sind alle auf einem unterschiedlichen seglerischen Niveau. Aber das ist nicht unbedingt ein Problem, sondern vielmehr ihre Unsicherheit und Angst.“ sagte Oltmann. So war die erste Aufgabe für die Trainerin und ihre zwei Helferinnen, Christiane Oltmann und Annika Levin, auch beides erfahrene Seglerinnen vom Steinhuder Meer, den Frauen ihre Sicherheit auf dem Boot wieder zu geben und ihre Angst abzubauen. Mit viel Verständnis und Geduld schaffte das Trainerinnenteam es schließlich, das alle Frauen wieder ein bisschen gelassener mit Pinne, Schot und Segel umgangen. „Doch ein Wochenende reicht nicht aus, manchen Frauen fehlen wichtige Grundlagen, obwohl sie einen Segelschein haben. In der Theorie sind sie fitt, aber es fehlt die Praxis und Routine.“ resümiert Cornelia Oltmann. Aber auch wenn man an einem Wochenende aus Freizeitsportlern keine Profis machen kann, haben die Frauen viel mitnehmen können. Ob die richtige Sitzposition im Boot, die Einstellung der Segel oder der Ablauf wichtiger Manöver, vielen Seglerinnen fehlte einfach nur der Tipp einer fachkundigen Trainerin. Sonja Wolter, Teilnehmerin vom SCMa, gefiel besonders „das kompetente und zielgruppengerechte Training. Das hat mir die nötige Ruhe und Sicherheit gegeben. Es war toll, wie die Trainerinnen auf unsere Wünsche und Bedürfnisse eingegangen sind, das hat mir sehr geholfen“.
Doch nicht nur auf dem Wasser, auch an Land war die Stimmung gut. Die Frauen verstanden sich sofort. Am Abend genossen sie es bei einem Glas Bowle unter sich zu sein und mal ein bisschen Seefrausgarn spinnen zu können.
Bei einer letzten Nachbesprechung am Sonntagnachmittag waren sich alle einig – sie hatten ein wunderschönes Wochenende an dem sie viel gelernt haben, vor allem, dass sie mehr segeln wollen und zwar nicht als Vorschoterin.
Auch die Trainerinnen und Organisatorinnen sind überzeugt, dass diesem Training weitere folgen müssen. „Es war ein erster Versuch. Wir wollten sehen, wie solch ein Angebot angenommen wird, was man damit erreichen kann und was man an dem Konzept noch verbessern muss. Daran werden wir jetzt arbeiten.“ verspricht Kerstin Levin. Die Pioniere von „ Frauen an der Pinne“ haben beim Abschied schon festgelegt, dass sie sich jetzt häufiger zum gemeinsamen Segeln verabreden und im Herbst alle noch einmal zusammenkommen wollen, um sich über ihre Fortschritte an der Pinne auszutauschen.
Wie geht es weiter mit „Frauen an die Pinne“ ?
Ein erster Schritt ist gemacht und es ist deutlich geworden, dass unbedingt weitere folgen müssen. Das positive Feedback auf das erste Training zeigt, wie sehr sich Seglerinnen im Breitensport professionelle Unterstützung wünschen. Denn was nützt ein Segelschein, wenn man Angst hat, unsicher ist und dadurch lieber andere die Pinne übernehmen lässt. „Frauen an die Pinne“ ist ein Projekt, das gerade die anspricht, die Hilfe und Anleitung benötigen, aber keine Lust auf den üblichen Segelschulunterricht haben. Ob in einem Segelclub oder einfach „nur“ Seglerin, vielen fehlt es an Routine und Fachwissen. Deshalb will Kerstin Levin, Frauenwartin des SVN und Verantwortliche für „Frauen an die Pinne“, die gewonnen Erfahrungen nutzen, um das Projekt weiter auszubauen und das Konzept zu verbessern. „Ich möchte unbedingt weitere solche Trainings anbieten. Diese sollten dann vielleicht mit kleineren Gruppen, die nach unterschiedlichen Leistungsniveaus der Frauen aufgeteilt werden stattfinden. Das Grundkonzept aus professionellen, aber dennoch sanftem Training verbunden mit einem netten Rahmenprogramm ist gut. Das hat der Pilotversuch bewiesen. Ich bin mir sicher, dass es nicht das letzte Angebot von 'Frauen an der Pinne' war.“
Texte: Annika Levin
Die erste Trainigsgruppe von "Frauen an die Pinne"
Gemeinsames Aufbauen der Boote
Seeluft macht hungrig – ein letzter Imbiss vor der Abreise
Link: Interview 1 Link: Interview 2 |
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