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| Rettet den Dümmer - Eine Bestandsaufnahme zu Beginn der Saison 2012 09.05.2012 | Autor: Admin | Druckversion |
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![]() Ein solches Jahr wie das vergangene haben die Segler am Dümmer noch nicht erlebt: Algenblüte und Fischsterben brachten den Dümmer in die Schlagzeilen, auf die alle Dümmerfreunde gern verzichtet hätten. An der Situation gab es nichts zu verharmlosen. Viele Seglerinnen und Segler haben schon ab Mai 2011, als die Blaualgen die Herrschaft über das Wasser übernahmen, lautstark und energisch ihren Protest vorgetragen. Besonders die vielen Eingaben per Post und E-Mail an die Politiker vor Ort und in Hannover sowie an die Verantwortlichen in Verwaltung und Kommunen, Regionen und der Landesregierung haben dazu geführt, dass sich der Eigentümer des Dümmer, das Land Niedersachsen, sich seiner Verantwortung um den See nicht länger entziehen konnte. Etliche TV-Berichte, besonders aber auch die rasch installierte Plattform www.rettet-den-duemmer.de und entsprechende Verbreitung über soziale Netzwerke verbreiteten den Protest gegen das langjährige Versäumnis des Seeeigentümers. Auch die Versammlung aller Segelvereine unter der Leitung des Seglerverbandes Niedersachsen verstärkte die Einsicht in die Notlage am See. Die Sachverständigen, die sich 1980 um die Sanierung des Dümmer gesorgt haben, stellten neben der Umleitung des Bornbaches (die im Jahr 2009 abgeschlossen wurde und eine Halbierung der schädlichen Nährstofffrachten in den Dümmer besorgt hat), ausdrücklich die Einrichtung eines Groß-Schilfpolders in den Vordergrund, ohne den die Sanierung nicht gelingen kann. Durch diesen Polder soll die Hunte fließen und dabei zu etwa drei Viertel der Nährstoffe an die Schilfpflanzen binden, bevor das gereinigte Wasser in den Dümmer gelangen kann. Dass ein solches System funktionieren kann, wurde an Flachwasserseen ähnlich dem Dümmer in Dänemark und in den USA nachgewiesen. Wir alle, auch wir Segler, haben uns leider viele Jahre vertrösten lassen und sind erst durch die katastrophale Lage in der Saison 2011 vollends aufgewacht. Wir können nur in einer intakten Natur unsere Zeit als Segler, Kanute oder Wanderer genießen, Segeln und gute Wasserqualität gehören zusammen! Ende August 2011 schickte das Land Niedersachsen seine Staatssekretäre Ripke und Dr. Birkner, die zunächst nur wenige konkrete Vorschläge oder gar finanzielle Mittel im Gepäck hatten, sich aber unsere Sorgen anhörten. Der Dümmer verelendete zum Herbst weiter. Weitere Fischsterben, Fliegenplagen (Zuckmücken ungeheuren Ausmaßes machten Besuche am und auf dem Dümmer zur Tortur) und Blaualgen (der Gestank der absterbenden Algen und Fischkadaver verdarb jedes Segelvergnügen) unsere Anliegen dringlicher denn je. Auf einer weiteren Beratungsrunde am 13.10.2012 im Schäferhof stellten die Staatssekretäre des Landes Niedersachsen einen 16-Punkte Plan vor, mit dem der Dümmer saniert werden soll. Zur Umsetzung und Begleitung der Maßnahmen, die von der Landesregierung durchgeführt werden, wurde ein Beirat initiiert, dem leider nur ein einziger Vertreter der Wassersportler angehört. Entsprechende Skepsis bestand und besteht in den Reihen der Seglerinnen und Segler. Inzwischen hat der Beirat viermal getagt. Er ist überwiegend mit Fachleuten besetzt, allerdings unterstützen die Vertreter der Kommunen vielfältig die Ziele der Segler und Surfer, der Beirat wird sehr gut moderiert, die Zusammenarbeit kann ich nur als ausgezeichnet bezeichnen, weil die Voraussetzung unserer Mitarbeit im Beirat • Verbindlichkeit und Transparenz, • Konkreter Zeitplan, • Effektivität und Effizienz der Maßnahmen herstellen, • Parallele Planungen und Arbeiten ermöglichen, • Mut zur Umsetzung, von allen Beteiligten akzeptiert wird und bislang auch eingehalten wird. Nach der ersten Sitzung des Beirates wurde auch von allen Seiten einhellig als einzig wirksame und wissenschaftlich nachweisbare langfristige Sanierungsmaßnahme die Einrichtung eines Schilfpolder-Systems als Zielvorgabe vereinbart. Um die Grundlagen dieses Systems zu schaffen, sind etliche Untersuchungen und Gutachten erforderlich, die dann auch sofort beschlossen und begonnen wurden. Mitte 2012 werden die wesentlichen Gutachten vorliegen. Allerdings wissen wir auch, dass wir einen sehr langen Atem brauchen, um an das endgültige Ziel zu gelangen, einen im ökologischen Gleichgewicht sich selbst erhaltenden Dümmer. Mit folgendem Zeitrahmen müssen wir zur Umsetzung eines Schilfpolder-Systems rechnen: 2014 – • Frühester Beginn von Maßnahmen zur Errichtung des Polders • Einsaat bis erste Pflanzen kommen ca. 2 Jahre 2015 – 2017 • Früheste Wachstumsphase des Polder 2018 - 2023 • Der Polder wächst an und funktioniert, der Nährstoffeintrag in den Dümmer wird reduziert Wenn während dieses Zeitraumes wieder ungünstige Bedingungen herrschen, müssen wir uns auch auf entsprechendes Blaualgenwachstum gefasst machen wie im vergangenen Jahr. Dazu hat der Beirat kurzfristigere Symptombekämpfungsmaßnehmen erarbeitet, die noch auf ihre Finanzierbarkeit und eine Kosten-Nutzen-Analyse konkretisiert werden sollen. Das sind etwa Maßnahmen innerhalb der Hafenanlagen, um den Schlamm zu beseitigen, das Wasser zu belüften, Blaualgenkonzentrationen aufzulösen etc.. Dies geschieht durch den Einsatz von Spezialfahrzeugen bzw. von speziellen Strömungsbildnern, speziellem Belüftungssystem oder durch Abfiltern und Sperren. Letztere können möglicherweise auch Strandabschnitte oder offene Hafenanlage bei "Algenalarm" kurzfristige Abhilfen schaffen. All diese Maßnahmen können aber aus finanziellen Gründen nicht großflächig erfolgen. Weiter müssen wir Vorsorge für alle Besucher – seien es Tagestouristen, länger verweilende, Seglerinnen und Segler, Regattabesucher aus anderen Revieren etc. -treffen, falls wieder einmal sich die Situation des vergangenen Jahres wiederholen sollte. Wir denken da auch an "Schmerztabletten" wie kostenfreier Zugang zum Freizeitbad, Vergünstigungen durch die Tourismusverbände, alternative Veranstaltungen außerhalb des Dümmer. Welche dieser Maßnahmen wie erfolgen kann und wird, muss vertieft geprüft werden. Die Bereitstellung von Geldern für diese Maßnahmen und die Schaffung des Poldersystems ist und bleibt ebenfalls Thema. Bekanntlich hat die Landesregierung 15 Mio EUR schon reserviert, ob dieser Betrag ausreicht, muss berechnet werden, wenn die angeforderten Gutachten spätestens Mitte des Jahres den weiteren Weg zum Poldersystem zeigen. Der Flächenankauf wird auch eine große Rolle spielen, da die öffentliche Hand nicht über die Flächen verfügt, die möglicherweise gebraucht werden. Auch hier steckt der Teufel im Detail. Kurzfristig wird das Entschlammen erfolgen, in diesem Jahr in einem größeren Ausmaß als bisher. Leider konnten wegen der Witterungsverhältnisse nicht schon im Frühjahr auch die Hafenanlagen entschlammt werden, um das Risiko einer Algenpest und der Zuckmückenplagen in den Häfen zu vermindern. Dies soll aber im Herbst erfolgen. Allerdings sollen die Segelvereine zu den Entschlammungskosten selbst beitragen, dies ist ein weiterer Diskussionpunkt. Erkannt haben wir aus dem bisherigen Verlauf der Beiratssitzungen folgendes: bis konkret auch nur eine Maßnahme durchgeführt wird, dauert es lange, vielfach einfach zu lange. Etwa dann, wenn sich wie im vergangenen November ein kurzfristiger Zeitraum auftut, der Wasserstand historisch niedrig ist, wir also die Möglichkeit haben, mit Raupenfahrzeugen den Schlamm aus den Hafenbecken hinaus zu schieben, dazu aber Gespräche und Genehmigungen erforderlich sind, und der Wasserstand bis dahin wieder steigt, ist eine solche Chance vertan. Hier müssen wir vorsorglich und auf kurzen Wegen schneller arbeiten. Wir brauchen auch weiterhin die Unterstützung der Politik und der Verbände, besonders des Landessegler-Verbandes, gerade dann, wenn wir nur Symptombekämpfung erreichen wollen und dies nur mit großer Unterstützung gelingen kann. Text: Wilhelm Beckmann |
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