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Wenn aus dem Smutje ein Admiral wird - Frauen am Ruder bei Hafenmanöver in Elsfleth
16.08.2006 | Autor: Admin | Druckversion
Die Kommandos kommen eher verhalten. Auf der "Nauke IV", der "Svenja", der "Jurathe" und der "Talisman" im schönen Elsflether Sportboothafen führen an diesem Sonnabend nicht die Skipper vom Segelclub Weserstrand Elsfleth das Wort, sondern Frauen, die bei An- und Ablegemanövern in Zukunft nicht nur helfende Hände sein wollen. Es ist einer der Lehrgänge, von der Frauenwartin im Regionalverband Segeln Weser-Ems, Ortrud Müller, angeboten und organisiert, die immer mehr Zuspruch finden. Ihr Wunsch und Motivation: "Ein gleichberechtigtes, partnerschaftliches Verhältnis an Bord".
In 15 Kursen ist sie diesem Ziel näher gekommen und die anfängliche Skepsis der Skipper hat sich inzwischen auch weitgehend verflüchtigt. Wenn ein Seebär von der Küste der Frauenwartin erzählt, er sei früher Kapitän und seine Frau Smutje gewesen, nun fungiere sie als Admiral und er als Matrose, dann tut er das mit kräftigem Augenzwinkern. Die "gleichberechtigte Partnerschaft", die Ortrud Müller anstrebt, hat nämlich weniger mit Emanzipation und mehr mit gemeinsamen Erlebnissen auf dem Wasser und vor allem mit der Sicherheit an Bord zu tun. Die Zeiten, als die Bordfrauen hilflos dastanden, wenn der Skipper - aus welchen Gründen auch immer - ausfiel, die sollten bald völlig der Vergangenheit angehören, meint sie.
Aus diesem Grund ist es mit dem Hafenmanöver auch nicht getan. Auf dem Frauen-Programm des Regionalverbandes standen bislang Navigation, Funk, Motorenkunde, Medizin an Bord und auch Selbstbehauptung und Selbstverteidigung. Die Nachfrage ist jeweils größer als das Angebot an Plätzen; einige Frauen lassen sich auf Wartelisten eintragen und sind pünktlich zur Stelle, auch wenn Ortrud Müller erst Stunden vor dem Start per Telefon oder Email mitteilen kann, dass ein Platz frei geworden ist.
Die Teilnehmerinnen sind in der Regel zwischen 30 und 60 Jahre alt. Einige von ihnen bringen Erfahrung mit, andere sind völlig Neulinge. Stammgäste gibt es auch bei den Lehrgängen. Eine 72jährige Wilhelmshavenerin war zum Beispiel von Anfang an dabei, hat sich aber jetzt verabschiedet, weil ihr Mann und sie als Altersgründen ihr Boot verkauft haben.
Im großen, tidefreien SWE-Hafen, der über eine Sportbootschleuse mit der Weser verbunden ist, verläuft unterdessen beim Kursus alles nach Plan. Die 16 Teilnehmerinnen sind in vier Gruppen gegliedert. Gemeinsam folgen sie 90 Minuten lang dem Unterricht "Hafenmanöver unter Motor in Theorie". Dann geht es in Gruppen an die praktische Übung: "Der Radeffekt in der Praxis". "Knoten und Tauwerk" steht anschließend im Seminarraum des SWE-Bootshauses auf dem Programm. Das gemeinsame Mittagessen darf nur eine halbe Stunde dauern, weil unmittelbar danach fast zweieinhalb Stunden lang auf den vier Sportbooten an- und ablegen geübt wird - aus und in die enge Box. Die Schiffseigner Enno und Carsten, Manfred und Harald haben dabei - wie ihre jeweils vier weiblichen Gäste - erkannt, dass der Platz an Rad oder Pinne eigentlich nichts mit dem Geschlecht zu tun hat.

Unser Bild zeigt: Frauen am Ruder der "Nauke IV", "Jurathe", "Talisman" und "Svenja" im Hafen des Segelclubs Weserstrand Elsfleth.

 

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