www.segeln-niedersachsen.de
Wirtschaftsfaktor Segelsport
Liebe Segelkameradinnen und -kameraden,
sehr geehrte Damen und Herren,
Das Zählen, Rechnen und Abwägen nach ausschließlich wirtschaftlich relevanten Kriterien ist nicht unbedingt die Sache von uns Seglerinnen und Seglern. Nicht von ohnehin wird unserem Sport nachgesagt, es verhielte sich damit so, als wenn wir permanent unter der kalten Dusche stünden und Hunderteuroscheine zerreißen würden. – Nett gelästert und – untertrieben?
Nicht ganz: Mit der Initiative "Neue Impulse für die Sportschifffahrt" der CDU/CSU und FDP- Fraktion im Bundestag wurde uns doch "sehr fein" vor Augen geführt, welche Bedeutung dem Wassersport zugemessen wird. Sicher, diese Initiative dient dem "Erhalt der Sicherheit auf dem Wasser sowie dem erleichterten Zugang für Interessierte auf dem Wasser", so aus der Drucksache 17/7937 des Bundestages zitiert. Ein Schelm, der sich anderes (und weitergehendes) dabei denkt. Ein wenig erstaunt waren wir doch, angesichts der Tatsache, dass die Einwände der betroffe-nen Sportfachverbände nicht unbedingt Gehör fanden - sollte die Initiative doch uns dienen ... !
Zeitgleich wird auf der politischen Ebene darüber diskutiert, den Gesamtbereich der Wasser- und Schifffahrtsverwaltungen inklusive der Ausweisung einzelner Reviere zu reformieren. Der Hintergrund ist eindeutig und (bedingt) nachvollziehbar: Die notwendigen Einsparungen in den öffentlichen Haushalten. - Mit anderen Worten interpretiert: Wir werden erhebliche Nutzungseinschränkungen hinnehmen sollen.
Ja, auch wir sind die Bürger, die über Steueraufkommen, etc. den Staat tragen. Ja, auch wir Seglerinnen und Segler sind Bürger, die von eben diesem Staat profitieren. Ja, auch wir haben uns an der "Pflege" dieses Staates zu beteiligen. Denn wir sind ein Teil dieses Staates. Aber wir dürfen auch ein bisschen mutiger auftreten, denn wir geben diesem Staat, dieser Gesellschaft auch etwas zurück. Leider ist aber das Meiste von dem, was der Sport für unsere Gesellschaft und mit Verlaub: für den Wirtschaftsstandort Deutschland leistet, nicht direkt messbar.
Da kommt dankenswerterweise ein Papier des Segelkameraden Dr. Gerd Lau des Hamburger Segler-Verbands auf den Tisch. Er schreibt: "Die Schätzungen sollen als Argumentationshilfe bei der Diskussion um die wirtschaftliche Bedeutung und Klassifizierung der Bundeswasserstrassen dienen." Unser aller Dank an Gerd Lau! Ohne den Inhalt dieser sehr akribischen Studie zu verfälschen, dürfen wir mit Genehmigung des Hamburger Segler-Verbands ein paar Daten weiter geben: Gerd Lau recherchierte: Dass es im Bereich der Tideelbe und seiner Nebenflüsse etwa 9.400 Liegeplätze gibt. Die etwa 1.950 Liegeplätze des Hamburger Yachthafens ließ er aufgrund ihrer Sonderstellung unberücksichtigt! Er ermittelte anhand einer Durchschnittsschiffsgröße für dieses Revier ein investiertes Kapital an Booten von ca. 443.900.000 € und leitet daraus einen Zeitwert von etwa 148.000.000 € ab. An jährlichen Unterhaltsaufwendungen für die Boote errechnete er einen Betrag von rund 11.500.000 €. Zusätzlich geben Seglerinnen und Segler allein im Bereich der Tideelbe und seiner Nebenflüsse etwa 640.000 € pro Saison für den Betrieb des Bootes, Liegegelder, etc. aus. Sicher, wir könnten nun trefflich mit Churchills Worten die Richtigkeit dieser Berechnung diskutieren - und ablenken.
Fest steht für uns alle die verblüffende Erkenntnis: Wenn es uns Seglerinnen und Segler nicht gäbe, dann müsste man uns im Sinne der vor gen. Bundestagsinitative "erfinden". - Und da sind die vielen Boote des Hamburger Yachthafens noch nicht einmal berücksichtigt. Meine Prognose: Für den Fall der Einbeziehung - warum nicht - könnten wir alle vor genannten Zahlen noch einmal um ca. 20% erhöhen.
Nicht eingerechnet sind die erheblichen Kosten für die Anschaffung und Unterhaltung der Hafenanlagen mit ihren Stegen, Ver- und Entsorgungsanlagen, Clubhäusern, Sanitäreinrichtungen, etc. Bis hin zur gelegentlichen Kurtaxe für die Nutzung von Hafenanlagen, die z.T. eher als Industriegebiete zu bezeichnen sind.
Wie gesagt: Die genannten Zahlen gelten lediglich für "das kleine Stück Elbe" von der Landesgrenze Hamburgs bis zu Kugelbake - auf der Deutschlandkarte von nicht nennenswerter Bedeutung.
In Anlehnung an die bereits mehrfach zitierte Bundestagsinitiative sollten wir Was-sersportlerinnen und -sportler durchaus etwas mehr Selbstbewusstsein haben, die vor genannten Zahlen auf das gesamte Bundesgebiet hoch zu rechnen und bei der Reform der WSV darauf hinzuweisen, dass sich die Wirtschaftlichkeit einer Wasserstraße nicht nur aus der berufsschifffahrtlichen Nutzung ergibt.
Bei unseren Niederländischen Nachbarn ist man da offensichtlich bereits erheblich weiter!
In diesem Sinne: "Mast- und Schotbruch" und "Immer eine Hand breit Wasser unterm Kiel" - Schon dem Wirtschaftsstandort Deutschland zuliebe.
Prof. Peter Döscher
Erster Vorsitzender des SVN
Hannover, den 09. März 2012
Autor: Admin
Artikel vom: 19.03.2012