„Die Saison meines Lebens“

Erst Weltmeister und nun auch noch Internationaler Deutscher Meister – Europe-Segler Fabian Kirchhoff von der Seglervereinigung Hüde krönt die Saison seines Lebens mit einem weiteren Titel. Anfang Oktober trafen sich die deutschen Europe-Spitzensegler am Brombachsee südlich von Nürnberg. Kirchhoff siegte souverän und setzte sich gleich auch noch ein kleines Denkmal. Mit nunmehr fünf nationalen Europe-Meistertiteln ist er der erfolgreichste deutsche Segler in dieser Bootsklasse. „Diese Saison kann man nicht mehr toppen. Ich werde jetzt den Winter nutzen und mir in aller Ruhe Gedanken über meine seglerische Zukunft machen“, sagt Kirchhoff. Eine Entscheidung ist allerdings schon gefallen. Fabian Kirchhoff wird weiterhin im Trainerstab des Niedersächsischen Segler-Verbandes bleiben. „Wir haben mit unseren Nachwuchssegelern eine gute  Saison hinter uns. An dieser tollen Entwicklung möchte ich weiter mitarbeiten.“

Novellierung der Nordsee-Befahrensverordnung geplant

Wer die küstennahe Nordsee befährt, bewegt sich in einem tidegeprägten Gewässer. Dabei gelten nicht nur navigatorisch besondere Herausforderungen – man befährt auch die Wattenmeer-Nationalparks von Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen. Mit Rücksicht hierauf gelten die besonderen Regelungen der Verordnung über das Befahren der Bundeswasser- straßen in Nationalparken im Bereich der Nordsee (NPNordSBefV), eine Bundesver- ordnung in Zuständigkeit des Bundesminis- teriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). Sie ist Grundlage für die Ausweisung von Robben- und Vogelschutzgebieten, von Geschwindigkeitsbeschränkungen sowie von zeitlichen Einschränkungen zum Befahren insbesondere der schutzintensivsten Zone 1 der jeweiligen Nationalparks. Die geltende Verordnung stammt im Wesentlichen aus dem Jahr 1992. Seitdem wurden Grenzen der drei deutschen Wattenmeer-Nationalparks verändert. Neben diesen Änderungen erfordert auch die Dynamik des Wattenmeeres mit sich verlagernden Prielen und Sänden eine Anpassung von Lage und Zuschnitt der Robben- und Vogelschutzgebiete.

Manch anderes – wie die so genannte „Drei-Stunden-Regelung“ vor und nach Hochwasse – hat sich in der Praxis als schwer handhabbar erwiesen. In einem neuerlichen Anlauf haben sich daher die drei Küstenländer schließlich auf eine Novellierungsinitiative verständigt und dem BMVI im Mai 2017 einen gemeinsamen Entwurf zur Anpassung der NPNordSBefV übermittelt, wobei nach weiterer Beteiligung niedersächsischer Wassersportkreise noch im Sommer eine Nachlieferung des Kartenwerks durch das Land erfolgte. Das BMVI als „Herr“ des Novellierungsverfahrens hat den Ländern im November 2017 mitgeteilt, dass die Bearbeitung einer Neufassung nun aufgenommen werden könne und nach dem bereits erfolgten Abstimmungsprozess mit den Betroffenen noch verbliebene Konflikt- punkte im Verordnungsgebungsverfahren zu lösen seien. Dem Länderentwurf vorausgegangen waren in Niedersachsen über Jahre umfassende Gesprächsrunden mit Wassersport- und Naturschutzverbänden sowie Behörden, um einen möglichst tragfähigen Kompromiss vorzubereiten. Auch Landesfachverbände des LandesSportBun- des (LSB)Niedersachsen haben sich hieran beteiligt.

Der Entwurf der Länder hält an der Struktur der geltenden NPNordSBefV fest. In den vorangegangenen Gesprächsrunden wurden alle Robben- und Vogelschutzgebiete flächenmäßig einer Revision unterzogen. Einige Gebiete sollen wegfallen, weitere wie fünf Seegraswiesenbereiche im Flach- wasser hinzukommen, der konkrete Zuschnitt jeweils angepasst werden. Da sich die Schutzziele in vielen Fällen überdecken, soll künftig einheitlich von „Besonderen Schutzgebieten“ gesprochen werden. In ihnen ist wie bisher das Befahren außerhalb ausgewiesener Fahrwasser saisonal oder ganzjährig untersagt. Neu eingeführt werden sollen traditionelle, „zweckgebundene Fahrwasser“, die zusätzlich zu ausgewiesenen Fahrwassern von bestimmten Nutzergruppen wie Seekajakfahrern beansprucht werden können.

Im Wesentlichen unverändert in die NPNordSBefV übernommen werden sollen die gegenwärtig länderspezifischen Regelungen zum Kitesurfen. Zur Geschwindigkeitsregelung schlagen die Länder die Einführung einer „Trennlinie“ vor, die entlang der Inselkette (Basislinie) den küstennahen inneren von einem küstenfernen äußeren Bereich trennt. Nach 1992 wurden nämlich in die Nationalparks größere Meeresbereiche jenseits der Inseln einbezogen. Außerhalb der küstennahen, ökologisch sensibleren Wattenmeerbereiche können in den seewärtigen Gebieten höhere Geschwindigkeiten zugelassen werden. Zum Befahren der Schutzzone 1 der jeweiligen Nationalparks gilt bisher, dass sie nur drei Stunden vor und nach Hochwasser befahren werden darf. Das hat sich als unpraktikabel erwiesen: der Scheitelpunk bzw. Zeitpunkt des Hochwassers unterliegt kleinräumigen Verschiebungen, Verstöße waren kaum zu überprüfen. Auch daher soll diese Regelung entfallen und das Befahren in der Fläche künftig allein über die Zuschnitte der „Besonderen Schutzgebiete“ geregelt werden.

Diese liegen zwar regelmäßig innerhalb einer Zone 1, von den jeweiligen Nationalpark-Festsetzungen wären sie jedoch künftig systematisch entkoppelt. Für die Schifffahrt hätte das den Vorteil, sich allein nach den Vorgaben der NPNordSBefV selbst richten und nicht mehr die jeweiligen Nationalparkzonen nachvollziehen zu müssen. Die „Musik“ spielt also bei der Festlegung der „Besonderen Schutzgebiete“. Die Herausforderung – der sich die Naturschutzbehörden zu stellen hatten und das BMVI noch zu stellen hat – ist, diese „Besonderen Schutzgebiete“ so zu gestalten, dass einerseits der Schutz der Natur ebenso gewahrt bleibt wie möglichst weitgehend die Interessen des Wassersports zu berücksichtigen. Die Befahrensregelung muss also den vorrangigen Schutz des Wattenmeers – anerkannt als UNESCO-Weltnaturerbe – vorbildlich flankieren. Hierauf ist im weiteren Novellierungsverfahren zu achten. In dem Vorschlag der Länder sind es nur wenige Bereiche gewesen, zu denen unter den beteiligten Interessengruppen kein Konsens erzielt werden konnte. Dies lässt auf eine zügige Anpassung der NPNordSBefV hoffen, die aus Sicht aller Beteiligten dringen wünschenswert ist. Ermutigend ist, dass die Nationalparkverwaltung für den niedersächsischen Bereich zugesagt hat, mit den Wassersportkreisen im Dialog zu bleiben.

In diesem Kontext sind erfreulicherweise verschiedene Beiträge hervorzuheben, die Wassersportler für den Schutz der Natur und einzelner Arten bereits im Küstenrevier leisten, ob es Meldungen von Schweinswal-Sichtungen und Ölverschmutzungen oder jährliche Müllsammelaktionen auf Inseln sind: Diese Aktivitäten helfen mit, das einzigartige Wattenmeer als erlebbares Natur- gebiet zu erhalten.

Holger Wesemüller Umweltbeauftragter im Segler-Verband Niedersachsen e. V. 

Nachwuchs auf Erfolgskurs

„Das sind richtig tolle Erfolge“, freut sich Tim Kirchhoff, hauptamtlicher Trainer des Segler Verbandes Niedersachsen. Der Neuaufbau des Nachwuchsbereichs bei den niedersächsischen Seglern trägt erste Früchte. Und das schneller als erwartet. 
Besonders freut Kirchhoff das Abschneiden von Leon Senftleben (SVG) bei den Internationalen Deutschen Jüngstenmeisterschaften. Über 300 Opti-Segler aus aller Welt waren auf dem Gardasee am Start. Darunter 180 deutsche Teilnehmer. Leon erreichte einen hervorragenden 14. Platz in der nationalen Wertung. „Er ist in der deutschen Spitze angekommen“, kommentiert Kirchhoff das Ergebnis.
Doch es ist nicht nur diese Einzelplatzierung die Hoffnung auf künftige Erfolge der niedersächsischen Nachwuchssegler macht. Alle Mitglieder des Opti-Landeskaders konnten sich für die Meisterschaft auf dem oberitalienischen See qualifizieren und lieferten „richtig gute Ergebnisse ab“, sagt Kirchhoff. So landeten Finja Koch und Miriam Dohle im ersten Drittel des Teilnehmerfeldes. Das Besondere: Die beiden sind gerade einmal elf Jahre alt und können noch lange bei den Jüngsten starten. Über eine gute Platzierung konnte sich zudem Finja Imbrock freuen. Vor allem auf Leon Senftleben setzt der Trainer seine Hoffnungen in der nächsten Saison. „Leon kann noch ein weiteres Jahr im Opti starten und um Medaillen mitsegeln“, ist sich Kirchhoff sicher.
Eine solche hat Batbold Gruner bereits geliefert. Der 14-Jährige vom Zwischenahner Segelklub segelte bei der Internationalen Deutschen Jugendmeisterschaft mit seinem Laser 4.7 aufs Treppchen. Gruner wurde Dritter und sicherte sich damit die Bronzemedaille. Gesegelt wurde die Meisterschaft bei der Travemünder Woche. Der Erfolg ist umso beachtlicher, da Batbold erst in dieser Saison aus dem Opti in den Laser gewechselt ist. Aber auch die weiteren niedersächsischen Strater konnten sich in Travemünde gut platzieren. Mit dabei waren Hanah Breitenstein, Ben Kuhlemann und Fini Siemann. übrigens: Trainiert werden die Laser von Tim Kirchhoffs Bruder Fabian.

Wir sind Niedersachsens Segler-Nachwuchs

Sonne satt, dazu leichte aber stetige Winde – bei traumhaften Bedingungen haben sich kurz vor Ende der Sommerferien die Segler der niedersächsischen Nachwuchskader zu einem einwöchigen Trainingslehrgang am Dümmer getroffen. Das Camp wurde in der Seglervereinigung Hüde (SVH) aufgeschlagen. Unterstützt wurde die Veranstaltung des Segler Verbandes Niedersachsen (SVN) von der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung.
70 junge Leistungssportler im Alter von 8 bis 19 Jahren nahmen an der Trainingswoche teil. „Das sind doppelt so viele wie im vergangenen Jahr“, freut sich Tim Kirchhoff, der als hauptamtlicher Landestrainer des SVN das Camp leitete. In sechs Bootsklassen stellte der Nachwuchs seine Fähigkeiten unter Beweis. Mit dabei waren die Segler des niedersächsischen Landeskaders in den Bootsklassen Laser 4.7 und Laser Radial und der A-Kader Niedersachsen bei den Optis. Ergänzt durch Teilnehmer in den olympischen Vorbereitungsklassen 420er und 29er.
Die Nachwuchssegler verbrachten täglich viele Stunden mit den sieben Trainern auf dem Wasser. Neben dem eigentlichen Segeltraining war in der Camp-Woche auch ein ausgeprägtes Athletik- und Theorieprogramm angesagt. Der Tag begann für alle 70 Sportler um 8 Uhr mit intensivem Frühsport. Ein auf dem Club-Gelände der SVH aufgebauter Fitnessparcours trieb so manchem zusätzlich zur Hitze Schweißperlen auf die Stirn. Genauso hatte es sich Tim Kirchhoff vorgestellt.
Pünktlich um 18 Uhr rief er am ersten Camp-Tag seine Segler zu einer ersten Besprechung in das Clubhaus der Seglervereinigung zusammen. Verpflegt wurden sie von Clubwirt Andreas Mattey. „Solche Bedingungen wie in der SVH wünschen wir uns“, erklärte Diplom-Sportwissenschaftler Kirchhoff. Diese seien bereits für junge Sportler besonders wichtig und eine Grundvoraussetzung für eine positive Entwicklung des sportlichen Leistungsvermögens.
Bei der Eröffnungsansprache wies der erste Vorsitzende des Segler Verbands Niedersachsen, Dr. Thomas Gote, nicht nur auf die riesige Zahl junger Segler im Wassersportland Niedersachsen hin, sondern auch auf deren besondere Erfolge. Niedersächsische Segler seinen wieder auf den Spitzenplätzen bei nationalen und internationalen Regatten zu finden.
Da passt es gut, dass die Seglervereinigung Hüde 2019 zum zweiten Mal die Niedersächsischen Jugendbootmeisterschaften aller Jugendbootklassen mit rund 300 Teilnehmern ausrichtet. Bei der voraussichtlich während des Dümmerbrands stattfindenden Großregatta werden neben den Teilnehmern etwa 500 Gäste wie Funktionäre, Eltern, Trainer und Betreuer erwartet.
SVH-Jugendwart Thomas Schrader äußerte die Hoffnung, dass die allermeisten der Camp-Teilnehmer ihr Interesse für den Segelsport beibehalten und im nächsten Jahr wieder bei der Großveranstaltung dabei sein werden.

Fabian Kirchhoff neuer Europe-Weltmeister

Ein Riesenerfolg für Fabian Kirchhoff und den deutschen Segelsport: Der 28-Jährige gewann im August vor Kühlungsborn die Europe-Weltmeisterschaft. Er ist seit 33 Jahren der erste Deutsche auf dem WM-Thron in dieser Bootsklasse. Joachim Hellmich schaffte dies zuletzt 1984. Seitdem beherrschten die Skandinavier das Geschehen bei den Europes. Der Erfolg von Fabian Kirchhoff ist aber auch ein tolles Ergebnis für den Niedersächsischen Segler-Verband (SVN). Kirchhoff ist Mitglied der vor einem Jahr neu aufgestellten Trainiergruppe des SVN. Nun kann Niedersachsens Seglernachwuchs von einem Weltmeister lernen. Wir sprachen mit dem frisch gekürten Weltmeister.

Erst einmal herzlichen Glückwunsch. Weltmeister, wie fühlt sich das an?

Gut. Richtig gut. Das ist ein Riesending. Aber es hat lange gedauert, das überhaupt zu realisieren.

 

Wann ist dir klar geworden, dass du es geschafft hast?

So richtig realisiert habe ich es am Tag nach der Entscheidung. Da bin abends von Kühlungsborn zurück nach Hause zu meinem Verein der Seglervereinigung Hüde (SVH) gekommen. Die Clubmitglieder haben mir dort einen Empfang bereitet, den werde ich nie vergessen.

 

Was haben sie gemacht?

Bei uns im Club ist es Tradition einen neuen Titelträger mit einem Banner über der Eingangstür zu begrüßen. Da steht drauf „Wir begrüßen unseren Deutschen Meister“. Schließlich hat die SVH schon etliche Deutsche Meister hervorgebracht. Aber Weltmeister? Gab es noch nicht. Kurzerhand wurde der Banner mit „Weltmeister“ überklebt und gefühlt war der ganze Club da, um mich zu empfangen und mir zu gratulieren. Das war ein tolles Gefühl.

 

Zurück zu den Tagen vor der Feier. Wie lief die WM-Regatta?

Das war eine irre Weltmeisterschaft. Es gab stetig wechselnde Bedingungen, die haben schließlich dafür gesorgt, dass das Klassement immer wieder durcheinandergewirbelt wurde. Eigentlich hatte ich einen durchwachsenen Start. Platz 8 im ersten Lauf – das war ganz okay – folgte der 50. Rang im zweiten Lauf. Ein Schiedsrichter hatte bei mir verbotene Ruderbewegungen vor dem Start gesehen und so musste ich zwei Kringel fahren. Dann bin ich dem Feld nur noch hinterhergefahren.

 

Dann begann die Aufholjagd?

Das kann man so sagen. Am zweiten Wettkampftag landete ich auf den Plätzen 13 und 11. Unterm Strich war das das viertbeste Tagesergebnis und katapultierte mich von Platz 25 auf Rang 9 in der Gesamtwertung. Aber zu diesem Zeitpunkt lag das Feld ganz dicht zusammen. Zum Zweiten hatte ich gerade einmal 5 Punkte Rückstand.

 

Und wie ging es dann an die Spitze?

Der dritte Regattatag war dann einfach der beste Tag meines Seglerlebens. Bei Starkwind konnte ich mich mit den Plätzen 1 und 3 an die Spitze des Feldes setzen. Was ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste, das war schon das Endergebnis. Die Jury sagte dann die beiden geplanten Wettfahrten des vierten Tages ab. Der Wind war einfach zu heftig. Und dann folgte der letzte Wettkampftag. Um 9 Uhr sollte es raus aufs Wasser gehen. Aber es gab erneut eine Sturmwarnung. Die Jury ließ uns nicht starten, wir mussten in Bereitschaft an Land bleiben. Was jetzt folgte, waren wohl die längsten drei Stunden meines Lebens. Die Zeit wollte und wollte einfach nicht rumgehen. Die Zeiger der Uhr bewegten sich gefühlt überhaupt nicht. Aber um 12 Uhr war es dann soweit. Die Jury sagte auch die Wettfahrten des fünften Tages ab und ich war als Führender nach sechs Läufen der neue Weltmeister.

 

Kam der Sieg für dich wirklich überraschend, schließlich segelst du ja schon eine geraume Zeit in der Weltspitze?

Ja und nein. Ich habe mich in den vergangenen Jahren stetig verbessert. Bei der WM 2015 war ich 12., 2016 landete ich auf Rang 5 und im vergangenen Jahr gelang mir mit Platz 3 erstmals der Sprung aufs Treppchen. Aber Weltmeister, das ist noch ein ganz anders Ding.

 

Was folgt nach dem Titel? Eine Steigerung ist jetzt ja nicht mehr möglich.

Ich weiß noch nicht, wie es weitergeht. Ich arbeite jetzt als Lehrer. Derzeit mache ich mein Referendariat. Segeln tritt dann naturgemäß ein Stück in den Hintergrund. Aber ich habe einen tollen Schulleiter. Der hat mich im Sommer für die Kieler Woche vom Dienst freigestellt und sogar meine Klasse in Vertretung übernommen.

 

Also stellst du dein Boot in die Ecke und hängst die Segel an den berühmten Nagel.

Vielleicht, aber auf jeden Fall nicht sofort. Ein Ziel habe ich auf jeden Fall noch. Wir segeln Anfang Oktober die Internationale Deutsche Meisterschaft auf dem Brombachsee in der Nähe von Nürnberg. Da will ich auf jeden Fall starten. Viermal habe ich den Titel bereits gewonnen. Das haben schon mehrere Europe-Segler geschafft. Aber gewinne ich in diesem Jahr noch einmal, dann wäre ich mit fünf Titeln alleiniger Rekordhalter. Und dann kommt der Winter. Da hat man als Segler naturgemäß mehr Zeit, um sich Gedanken über die nächste Saison zu machen.

 

Und deine Trainertätigkeit beim SVN?

Da mache ich weiter. Wir haben eine so tolle Trainingsgruppe und in den vergangenen zwölf Monaten so viel bewegt. An der Entwicklung will ich weiter mitarbeiten. Schließlich trainiere ich da nicht nur meine Konkurrenz heran sondern vielleicht auch einen Nachfolger.

Ab durch die Mitte

Jugendfördertrainingslagers der BIC Board-Klasse in Hüde

Unter der Leitung von Leon Delle, Profi-Windsufer aus Kiel und Jan Wöhning, Windsurfing Club Dümmer See fand Anfang Mai auf der Surfeinsatzstelle in Hüde das Jugendfördertrainingslager statt. Das Ziel: Die Vorbereitung auf den Norddeutschen Windsurf Jugend Cup vom 01. – 03.06.2018, der während der Internationalen Deutschen Meisterschaft im Windsurfen in Hüde ausgetragen wird. Die Teilnehmer: Die Surf-Jugend des Windsurfing Clubs Dümmer See, Benedikt Breulmann, Cara Dahlkötter-Martinez, Louisa Moldenhauer, Vinzenz Halbsguth, Nils Wenzel und Eike Drawe.

Bei sommerlichen Temperaturen und nordöstlichen Winden trainierten sie auf dem Dümmer See alles, was schnell macht. Zum Beispiel „Pumptechniken“, um auch durch Windlöcher schnell hindurch zugleiten oder den Wind von Böen optimal zu nutzen. Hinter sich hatten sie zu diesem Zeitpunkt bereits ein allmorgendliches Jogging- und Fitness Programm und ein kräftiges Frühstück. Video-Analyse und Theorieeinheiten ergänzten das viertägige Programm auf dem Wasser. Am Sonntag stand abschließend Regatta-Simulation auf dem ausgefeilten Trainingsplan von Leon Delle. Der in den letzten Tagen intensiv trainierte „Z-Kurs“ sowie die mittige Belastung des Surf-Boards konnten im Regattamodus angewandt werden. Anschließend waren sich alle einig: Wir haben so viel gelernt und sind top vorbereitet. Aufgrund der guten Resonanz ist ein weiteres Trainingslager im Herbst ins Auge gefasst, außerdem hat Jan Wöhning für seine Schützlinge einige Regatta-Teilnahmen in den kommenden Sommermonaten geplant. Das Team ist bereit zum Kampf um gute Platzierungen, ready to win, so seine Bilanz.

Die Maßnahmen wurde durch die Seglerjugend Niedersachsen im Rahmen der regionalen Breitensportförderung unterstützt.

Auf dem Weg in die Spitze

„Wahnsinn, das ist ein tolles Ergebnis“, Niedersachsens Landestrainer Tim Kirchhoff jubelt über das Abschneiden seiner Schützlinge beim „Goldenen Opti“ in Kiel. Leon Senftleben belegte bei der neben der Deutschen Meisterschaft wichtigsten Opti-Regatta in Deutschland einen hervorragenden siebten Platz. Am Start waren mehr als 300 junge Segler aus ganz Europa. Unter den deutschen Startern belegte Leon Rang vier. „Er ist in der nationalen Spitze angekommen“, sagt Kirchhoff.
Aber auch die Ergebnisse der restlichen Kadersegler können sich sehen lassen: Alle Segler des niedersächsischen Opti-A-Kaders konnten sich bereits für die Deutsche Meisterschaft qualifizieren. Die Regatta wird Ende Juli auf dem Gardasee ausgesegelt.
Damit hat Kirchhoff sein erstes Etappenziel als Landestrainer erreicht. Bei Amtsantritt hatte er angekündigt, möglichst schnell alle Mitglieder des niedersächsischen Opti-A-Kaders für die DM zu qualifizieren. Das ist nun gelungen. Vor dem Start in Kiel hatte der A-Kader über Pfingsten einen neuntägigen Trainingsblock am Dümmer absolviert. „Unsere intensive Trainingsarbeit trägt nun Früchte“, sagt Kirchhoff und ist sich sicher, dass seine Segler bei der DM gut abschneiden werden.

Bundesverdienstkreuz für „Jonny“ Janssen

Eine große Ehre für Johann „Jonny“ Janssen: Aus den Händen vom Wilhelmshavener Oberbürgermeister Andreas Wagner erhielt er Ende Mai das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland – in Kurzform auch Bundesverdienstkreuz genannt.  Ausgezeichnet wurde Jonny Janßen für seine Verdienste für den Segelsport. Zur Ordenverleihung sprach unter anderem Katrin Adloff, Mitglied des Seglerrates in Deutschen Segler Verband und 2. Vorsitzende des Segler Verbandes Niedersachsen. Ihre Rede drucken wir an dieser Stelle ab:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

verehrte Gäste, liebe Familie Janssen, lieber Jonny, herzlichen Dank für Deine Einladung zu diesem großartigen und besonderen Ereignis. Herzlichen Dank auch dafür, dass wir alle und ich persönlich, an Deiner Aushändigung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland teilhaben dürfen.

Als 2. Vorsitzende des Segler – Verband Niedersachsen e.V. und Mitglied des Seglerrates des Deutschen Segler Verband e.V. überbringe ich Dir, sowohl von beiden Verbänden als auch von mir persönlich, die herzlichsten Glückwünsche dazu. Das Bundesverdienstkreuz – Wahnsinn! Ich, als doch noch junge Vertreterin unserer Gesellschaft, schaue auf zu Menschen, welchen diese Ehre zu teil wird.

Wer bekommt diese Auszeichnung? Es sind Bundespräsidenten, Politiker, klar, Mäzene, Wohltäter, Schauspieler, eben besondere Menschen und herausragende Persönlichkeiten. Aber wer gehört zu diesen besonderen Menschen? Ehrenamtlich tätige Menschen, Funktionäre, Sportfunktionäre. Die Liste, seit der erstmaligen Verleihung im Jahre 1951, verzeichnet bedeutungsvolle Namen! Eine Liste, in welche Du Dich, lieber Jonny, nun einreihen wirst. Es gibt in dieser Liste einen Namensvetter von Dir: Johann Janßen – ehemaliger Oberbürgermeister Wilhelmshavens, welcher die Auszeichnung im Jahre 1970 bekam!

Doch welche Namen fallen noch auf? Einen kennen die Segler unter uns: Karl-Heiz Schade, ebenfalls aus Niedersachsen und Sportfunktionär, ehemals Vorstandsmitglied und heute noch im Ältestenrat des Segler-Verband Niedersachsen e.V.. Nun können wir sagen, wir fühlen uns schon etwas heimischer in diesem Kreis. Und ich habe die Ehre, für Dich und über Dich ein paar Worte sprechen zu dürfen! Auch dafür meinen Dank an Dich!

Wer ist dieser Johann Janssen? Wir Segler kennen ihn nur unter Jonny, immer lächelnd, munter, strahlend und für die Segler an der Küste Niedersachsens engagiert. Mit Jonny kann man gut und sachlich diskutieren und streitbare Worte wechseln und dabei zollt Jonny dem Gegenüber, unabhängig des Standpunktes, immer hohen Respekt und er verliert hierbei niemals das Ziel aus den Augen! Das Ergebnis für die niedersächsischen Wassersportler hat immer einen hohen Stellenwert bei ihm! Was hat diesen Jonny zu diesem besonderen Menschen gemacht? Über 40 Jahre engagiert er sich in ehrenamtlicher Tätigkeit. Als Verwaltungsangestellter im Wilhelmshavener Krankenhaus hat ihn 1968 Dr. Scherz das erste Mal zum Segeln mitgenommen, auf einer 16m Stahlyacht. Jonny hat sogar beim Ausbau der Segelyacht mitgeholfen. Nach mehreren Jahren des Mitsegelns hat sich Jonny 1974 die erste eigene Jolle gekauft und ist in den Jade-Yacht-Club hier in Wilhelmshaven eingetreten. Zwei Jahre später investierte Jonny in einen 10m van de Stadt – Langkieler, segelte mit seiner Familie!

Nach einer ehrenamtlichen Tätigkeit als Schriftwart in einem Fußballverein folgte 1977 im Jade-Yacht-Club die Vorstandsfunktion als 2. Vorsitzender und ab 1978 bis heute die ehrenamtliche Vorstandsarbeit als 1. Vorsitzender! Unglaubliche vierzig Jahre lang! Und was noch?

10 Jahre war Jonny von 1997 bis 2007 Reviervertreter Jade im Regionalverband des Bezirkssportbund Weser – Ems. Seit 1998 ist Jonny als Nachfolger von Hans-Georg Kurnol und Paul Bömack Vorsitzender des Regionalverbandes Weser – Ems im Segler – Verband Niedersachsen. Dieser wurde damals noch Fachverband Segeln im Bezirkssportbund Weser – Ems genannt, mit seinen 6 Revieren – Weser, Jade, Ostfriesische Küste, obere und unterer Ems, sowie das Binnenland mit seinen Seen Großes Meer und Zwischenahner Meer.

Jonny hat seine Reviere im Griff, weiß ganz genau was wo von statten geht. Die Reviervertreter sind gut ausgesucht und der Zusammenhalt hier in Weser – Ems ist außergewöhnlich gut. Im Bereich des Breitensports ist diese Region eine der aktivsten auf den tollen Revieren, dem Wattenmeer umgeben von der vielfältigen Natur. Im Verhältnis zu ganz Niedersachsen sind hier zahlenmäßig die meisten Wassersportler unterwegs.

Was gehört dazu, als ehrenamtlicher Vorsitzender des Regionalverbandes erfolgreich zu sein? Beispielsweise die Organisation von Breitensporttrainings für junge Segler. Deren seglerische Ausbildung hat Jonny hier in Weser – Ems vielfältig unterstützt und etabliert. Die Schaffung und Pflege der Befahrensregelung für das Wattenmeer, dieses Thema hat Jonny jahrelang mit geprägt und im Sinne der Segler beeinflusst! Fragen des Umweltschutzes stehen immer wieder an erster Stelle der Tagesordnung!

Alle zwei Jahre werden die Verträge zur kostenlosen Benutzung des Ems-Jade-Kanals angepasst. Eine Tätigkeit, bei der für alle Wassersportler, nicht nur für die Segler, die Interessen von rund 50 Verbänden, Vereinen, Städten und Gemeinden unter „einen Hut“ mit dem Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz gebracht werden müssen. Beim Wasser- und Schifffahrtsamt stehen immer wieder Gesprächstermine in Emden, Wilhelmshaven und Bremen auf dem Programm, um zu klären, wie z.B. der Masterplan an der Ems umgesetzt werden kann oder das Problem der Verschlickung mit allen Folgeproblemen in den Griff zu bekommen ist. Alles zur Sicherung unseres Wassersports!

Über 15 Jahre organisierte Jonny hier in Wilhelmshaven den Seglerball aller Seglervereine für 250 – 400 Gäste, warb Sponsorengelder ein, beschaffte Tombola Preise und vieles mehr was dazu gehört. Ich bin mir sicher, dies war nur ein kleiner Teil der ehrenamtlichen Arbeit, die Jonny stets mit Freude angegangen ist und nur so kann über eine solch lange Zeit eine erfolgreiche ehrenamtliche Arbeit umsetzten werden.

Hier, glaube ich, ist auch ein Dank an Elke, Jonny´s Frau, und seine Kinder, nicht zu vergessen. Sie haben Jonny stets in seiner ehrenamtlichen Arbeit unterstützt und ihm den Rücken frei gehalten. Sein Einsatz für seine Kinder war für Ihn immer eine Selbstverständlichkeit. Dies zeichnet Dich, lieber Jonny, als besonderen Menschen aus, der das Bundesverdienstkreuz wirklich verdient hat. Wir alle und alle Segler in Niedersachsen sind stolz, Dich in unserem Kreis zu haben.

Team Niedersachsen

Es hat schon einen Grund, warum das alljährliche Opti-Treffen am Gardasee „Meeting“ und nicht „Regatta“ genannt wird. Das belegen einmal mehr auch die Zahlen der 36. Auflage des „Lake Garda Meetings“ rund um Ostern. Weit über 1000 Boot aus aller Welt hatten für das „Meeting“ vor der Alpenkulisse gemeldet. Das ist wieder einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde wert. Darunter auch der fast komplette niedersächsische Opti A-Kader mit neun Seglern.

Die 10 bis 14-jährigen Nachwuchssegler hatten sich mit Landestrainer Tim Kirchhoff auf den Weg zum oberitalienischen See gemacht. Die niedersächsischen Segler nutzten die perfekten Bedingungen am Gardasee nicht nur zum Start bei dem Meeting sondern auch zu einem weiteren Trainingslager. Bereits eine Woche vor dem ersten Regattalauf reiste der Truppe an. Und das sollte sich auszahlen.

„Wir hatten in der ersten Woche perfekte Bedingungen. Waren bei Sonne und Wind viel auf dem Wasser“, beschreibt Kirchhoff die ersten Tage in Italien. Den tollen Wetterbedingungen während der Trainingswoche folgten umso miesere während der Regatta. Viel Regen, kein Wind ließen dann nur wenige Läufe zustande kommen. Doch in denen konnte vor allem ein niedersächsicher Opti-Segler überzeugen.

Gesegelt wurde in der Opti-Klasse in sechs Gruppe zu je 175 Booten, was für Trainer Tim Kirchhoff übrigens Schwerstarbeit bedeutete. Da die niedersächsischen Segler per Los auf alle sechs Gruppen verteilt wurden, war der Trainer fast pausenlos auf dem Wasser. Und er konnte sich über die Leistungen seiner Schützlinge freuen. Leon Senftleben vom Segler-Verein Großenheidorn (SVG) ließ mit Platz 94 unter 1100 Startern aufhorchen.  „Leon konnte dabei in zwei Läufen die Plätze 5 und 7 ersegeln“, freut sich sein Trainer.

Und auch eine zweite Seglerin des SVG machte auf sich aufmerksam. Die erst 10-jährige Miriam Dohle landete bei den Jüngsten auf Platz 22 von über 300 Startern. Aber auch die anderen niedersächsischen Segler brachten ihre Leistung und landeten allesamt im „guten Mittelfeld“. „Jeder hat seine Leistung gebracht“, zieht Kirchhoff eine positive Bilanz. „Und da unsere Segler zumeist jünger als ihre Konkurrenten sind, werden wir in den kommenden Jahren tolle Erfolge einfahren können“, ist sich der Landestrainer sicher.

Doch zum Gardasee waren nicht nur die Optis mit ihren Booten aufgebrochen. Auch die Teeny, Europe und Laser segelten rund um Ostern auf dem italienischen See und damit 75 Segler aus Niedersachsen. Und das könnten in den kommenden Jahren noch mehr werden. Denn, die Planungen für 2019 laufen bereits. „Wir werden zu Ostern auf jeden Fall wieder an den Gardasee fahren“, erklärt Kirchhoff. Und dann sogar mit einer noch größeren Mannschaft. In diesem Jahr waren die 420er nicht mit dabei. Das könnte sich im kommenden Jahr ändern. „Es wäre doch toll, wenn wir dann mit allen niedersächsischen Nachwuchsklassen bei diesem tollen Event vertreten wären“, lässt sich der Landestrainer schon einmal seine Pläne für das kommenden Jahr blicken: „Schließlich sind wir ein großes Team. Wir gehören alle zusammen.“

Dass die niedersächsischen Segler bereits auf dem besten Wege sind zu einem tollen Team zusammenzuwachsen erlebte Kirchhoff am eigenen Leib. Tims kleine Tochter Martha feierte am Gardasee ihren vierten Geburtstag. Dazu gab es dann ein „Happy Birthday“-Ständchen von der gesamten Mannschaft. „Ein echter Gänsehautmoment“, verrät Kirchhoff.

Übrigens: Im Februar im nordspanischen Palamos und nun am Gardasee – dass die niedersächsischen Nachwuchssegler an Trainingslagern und Regatten im Ausland teilnehmen können, ist nicht zuletzt auch ein Verdienst der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung. Sie unterstützt die Nachwuchssegler und hat damit einen Anteil an ihren Erfolgen.