1  Grundsätzliches

Der Strukturplan Leistungssport des Segler – Verband Niedersachsen e.V. (SVN) versteht sich als Teil eines durchgängiges Förderkonzeptes, in dem sich die Spitzenförderung aus der Nachwuchsförderung entwickelt.

Es orientiert sich deshalb an der LA-L (Landesausschüsse Leistungssport)- Rahmenkonzeption des Deutschen Olympischen Sport Bund (DOSB) sowie am fortgeschriebenen Förderkonzept Leistungssport des LandesSportBund Niedersachsen (LSB) und ist mit dem Strukturplan des Deutschen Segler – Verband (DSV) abgestimmt. Der Rahmentrainingsplan des Deutschen Segler – Verband ist die sportfachliche Grundlage für das Anforderungsniveau in den jeweiligen Leistungsebenen. Die Kriterien für die Aufnahme in die Leistungskader sind in den Kaderkriterien des SVN festgelegt.

Der Strukturplan des SVN ist zur Anpassung an die jeweils aktuellen Entwicklungen im nationalen (DSV) und internationalen (International Sailing-Administration Federation – ISAF) Segelsport fortzuschreiben.

Abweichend von allen anderen Sportarten sind die einzelnen Disziplinen des Segelsports (Bootsklassen) nicht nur in Vereinen und Verbänden, sondern auch in Klassenvereinigungen organisiert. Die Klassenvereinigungen der Bootsklassen sind an der Organisation des internationalen, nationalen und regionalen Wettkampfsystems beteiligt (u.a. technische Vorschriften, Festlegung der Wettkampftermine und Erstellung der Rangliste). So werden z.B. Termine und Veranstaltungsorte der Welt- und Europameisterschaften nicht vom Weltverband (ISAF), sondern von den internationalen Klassenvereinigungen festgelegt. Diese traditionell bedingte Zergliederung führt dazu, dass auch die Nachwuchs-Wettkämpfe der einzelnen Bootsklassen über das ganze Sportjahr verteilt an den verschiedensten Orten stattfindet.

Dadurch ergeben sich erhöhte Transport- und Reisekosten und eine erschwerte Abstimmung der Jahresplanung.

Wegen ihrer Bedeutung der technischen und organisatorischen Betreuung der einzelnen Bootsklassen wird eine möglichst enge Kooperation mit den nationalen und regionalen Klassenvereinigungen versucht zu realisieren.

 

2  Zielstellung und Schwerpunktaufgaben

Neben den allgemeinen Aufgaben hat sich der SVN folgende mittelfristige Ziele gesetzt:

  • Verstärkung der Talentsuche und Talentgewinnung durch Zusammenarbeit mit den Vereinen (Jugendwarte und Trainer)
  • Aufbau von Trainingsgruppen in den Vereinen und in Zusammenarbeit mit mehreren Vereinen an einem Revier

Ziel: Ausweitung des Talentpotentials im Einstiegsbereich

  • Intensivierung eines systematischen Trainings- und Betreuungsangebotes in den Kaderklassen durch den Einsatz eines hauptamtlichen Landestrainers.

Ziel: Optimierung der sportfachlichen und pädagogischen Betreuung in den Kaderklassen

  • Gezielte Maßnahmen zur Gewinnung und Förderung von Leistungsträgern zur Weiterleitung in den Bundeskader und olympischen Bootsklassen

Ziel: Ausbau einer durchgängigen Kaderstruktur in den Disziplinen

  • Eingliederung der theoretischen Ausbildungsinhalte in das Ganzjahrestraining

Ziel: Anstieg des Leistungsniveaus der Leistungskader und dadurch Erhöhung des Bundeskaderanteils

  • Ganzjährige Wettkampfbetreuung national / international

Ziel: Erhalt des nationalen Leistungsniveaus und Erreichen des internationalen Leistungsniveaus im Spitzenbereich.

 

3  Langfristiger Leistungsaufbau

3.1  Talentsuche und Talentförderung

3.1.1 Grundsätzliche
Die Talentförderung dient ausschließlich der Kaderbildung und nicht der Vereins- oder Bootsklassenförderung. Ihre Arbeit findet im Anschluss an die Grundausbildung der Vereine statt. Erste Stufe der systematischen Förderung von jungen Athleten sind die Trainings- und Regattagruppen der Vereine.

3.1.2 Trainingsgruppen

Talentierte Nachwuchssegler/-innen sollen durch Kooperation der Vereine zu regionalen Trainingsgruppen zusammengefasst und unter Leitung eines Vereinstrainers trainiert werden.
Dabei ist die fachliche Unterstützung des SVN möglich.
Dadurch ergeben sich leistungsstärkere und homogenere Trainingsgruppen bereits unterhalb der D-Kaderebene. Das D-Kader-Einstiegsniveau soll damit angehoben werden.

3.1.3 Sichtungssystem
Die Sichtung für die Einstiegskader erfolgt in Sichtungstrainingslagern auf Einladung der jeweiligen Honorartrainer.
Die inhaltliche und organisatorische Steuerung der Auswertung dieser Sichtungsebene obliegt im wesentlichen dem zuständigen Honorartrainer und dem Sportwart Leistungssegeln des SVN.
Die Aufnahme in den Einstiegskader der entsprechenden Bootsklasse erfolgt nach den jeweils gültigen Kaderrichtlinien.
Für die Sichtungsmaßnahmen im Bereich der Anschlussförderung (DC-Kader) gelten die bundesweit festgelegten Kader-Aufnahmekriterien des Deutschen Segler – Verbandes

3.2  D-Kader Förderung

3.2.1 Grundsätzliche
In der D-Kader Förderung werden die aus der Talentförderung hervorgegangenen Talente sowie die in speziellen Sichtungsmaßnahmen ausgewählten Sportler nach Vorgaben des Strukturplanes, der Kaderrichtlinien und des Rahmentrainingsplanes systematisch und kontinuierlich von den zuständigen Honorartrainern weitergeschult. Für jede Bootsklasse ist ein Honorartrainer zuständig. Die Maßnahmen sollen den Nachwuchsathleten den Weg zur nationalen Spitze ebnen. Die D-Kader Förderung ist in der Regel auf 4 – 6 Jahre beschränkt.

3.2.2 D 1 – Kader
In den D 1 – Kader werden Sportler berufen, die in einer Jüngstenbootsklasse segeln / surfen und die allgemeinen Grundkriterien der D – Kader Förderung erfüllen. Die D 1 – Kader sollen die Sportler an das systematische Leistungstraining herangeführt werden.

3.2.3 D 2 und D 3 – Kader
Eine wichtige Aufgabe der „Aufbaukader“ D 2 und D 3 ist es, den „Belastungsschub“ des späteren Leistungstrainings in den olympischen Bootsklassen vorzubereiten (dies gilt insbesondere auch für die vorolympischen Jugendbootklassen).
Die im D 1 – Kader entwickelten Grundlagen müssen durch ein gezieltes Aufbautraining im seglerischen, taktischen und konditionellen Bereich den erhöhten Anforderungen der nachfolgenden Bootsklassen angepasst werden. Zum Abschluss der D 3 – Kaderförderung sollen die folgenden Leistungskriterien erfüllt werden:

  • Regattaerfahrung auf nationaler und internationaler Ebene im Großfeld und auf Seerevieren
  • Erreichen der nationalen Leistungsspitze im Jugendbereich (U17)

3.2.4 D 4 – Kader und D 4 olympisch – Kader
Mit Aufnahme in den D 4 – Kader beginnt das eigentliche Leistungstraining. Ziel ist das deutliche Anheben des Leistungsniveaus im Hinblick auf das Erreichen der Anschlussförderung im DC – Kader.
Dazu ist eine ganzjährige Trainings- und Wettkampftätigkeit erforderlich. Der damit verbundene „Belastungsschub“ stellt erhöhte Ansprüche an die Leistungsbereitschaft der Kadermitglieder (Eistellung und Motivation) und erfordert eine möglichst optimale Abstimmung der leistungssportlichen Aktivitäten auf die indivuellen Umfeldbedingungen (Elternhaus, Schule, Berufsbildung).
Zum Abschluss der D 4 – Kaderförderung sollen die folgenden Leistungsziele erreicht werden:

  • Erreichen der nationalen Leistungsspitze im Jugendbereich (U19) in einer olympischen Bootsklasse (Dt. Juniorenmeisterschaft DJoM U19)
  • Erreichen der internationalen Leistungsspitze im Jugendbereich (U19) in einer vorolympischen Bootsklasse (Jugendeuropameisterschaft JEM, Jugendweltmeisterschaft JWM)

 

3.3  Anschlussförderung

DC – Kader: Im DC – Kader sollen Leistungssegler durch die konsequente Fortführung des systematischen Leistungstrainings auf das anspruchsvolle Hochleistungstraining des Bundeskaderebene (C – Kader) vorbereitet werden.

Voraussetzung für die Aufnahme in den DC – Kader ist der bereits erfolgte Umstieg in eine vorolympische Bootsklasse und die Erfüllung der DC – Kaderkriterien des DSV. Der DC – Kader ist ein Kooperationskader zwischen Land und Bund. Die Athleten nehmen neben den Trainings- und Wettkampfmaßnahmen des SVN auch an zentralen Trainingsmaßnahmen des DSV teil und sind damit unmittelbar an den Leistungsbereich des DSV angebunden.

Dementsprechend wird die Jahresplanung (Trainingssteuerung, Wettkampfplanung) mit dem zuständigen Nachwuchs – Bundestrainer abgestimmt. Athletik und Theorie wird das ganze Jahr über trainiert, im Winter wird das Wassertraining gerne am Mittelmeer ausgeübt. Die jeweilige Planung wird den Internationalen Regatten angepasst und variiert von den Orten.

Zum Abschluss der DC – Kaderförderung sollen die folgenden Leistungsziele erreicht werden:

  • Erreichen der internationalen Leistungsspitze im Jugendbereich (U19) in einer olympischen Bootsklasse (JEM,JWM)
  • Anschluss an die nationale Leistungsspitze in der olympischen Bootsklasse (Ziel: C – Kader Niveau)
  • Umfangreichere Regattaerfahrung auf internationaler Ebene

3.4  Förderung im Hochleistungstraining

Ziel des Hochleistungstrainings ist das Erreichen der persönlichen Bestleistung in der jeweiligen olympischen Disziplin.

Die dazu notwendige Trainings- und Wettkampfplanung erfolgt durch den Bundestrainer des DSV.

Zusätzlich fördert der SVN seine Spitzensportler durch individuelle finanzielle Unterstützungen.

 

4  Wettkampfsystem

Das differenzierte Wettkampfsystem entspricht dem Anforderungsniveau des DSV-Rahmentrainingsplanes in den verschiedenen Altersklassen. Es bietet zahlreiche Möglichkeiten zur Eingangs- und Folgesichtung sowohl auf regionaler als auch auf nationaler Ebene.

 

5  Regionale Schwerpunktbildung

Der leistungsbezogene Segelsport orientiert sich auf nationaler und internationaler Ebene an den jeweils geltenden Festlegung der olympischen Bootsklassen.

Der Segelsport bietet den Aktiven eine Vielzahl verschiedener Segelsportgeräte an, die ganz unterschiedliche Anforderungen an die motorische Fähigkeiten, die konditionellen Fähigkeiten und die taktischen, sowie segelsporttheoretischen Kenntnissen der Sportler stellen.

Die im vorolympischen Bereich angesiedelten Jüngsten- und Jugendbootklassen dienen der Grundausbildung bzw. der Vorbereitung auf die speziellen Anforderungen in den einzelnen olympischen Disziplinen (z.B. kann der 420er auf das olympische Zweihandsegeln im 470er vorbereiten. Laser Radial auf den olympischen Laser Standard).

Angesichts der Vielzahl von Bootsklassen und der gleichzeitig vorgegebenen Mittelbegrenzung muss sich der SVN auf die Förderung regionaler Schwerpunkt-Klassen konzentrieren. Die Auswahl der Schwerpunkt-Klassen wird im Wesentlichen vom Talentpotenzial bestimmt. Außerdem muss gewährleistet sein, dass die ausgewählten Schwerpunkt-Klassen auch in der regionalen Verbandsarbeit gefördert werden.

Die Grundausbildung in den einzelnen Bootsklassen ist Aufgabe der Vereine.

Das Grundlagentraining bis zum Erreichen des D-Kaderniveaus sollte in den Regionen möglichst vereinsübergreifend organisiert und durchgeführt werden, um ausreichend große und leistungshomogene Trainingsgruppen zu erreichen.

Unter Berücksichtigung der Kriterien werden in Niedersachsen zur Zeit folgende regionale Schwerpunkt-Klassen zur Vorbereitung auf die olympischen Bootsklassen gefördert:

  • Optimist – offen, Einhand (Jüngstenklasse)

Allgemeine Grundausbildung (Vereinsarbeit), Grundlagentraining
Zielwettkampf: Deutsche Jüngstenmeisterschaft U15

  • Teeny – offen, Zweihand (Jüngstenklasse)

Allgemeine Grundausbildung (Vereinsarbeit), Grundlagentraining
Vorbereitung auf weiterführende Zweihand-Bootsklassen
Zielwettkampf: Deutsche Jüngstenmeisterschaft U15

  • Laser 4.7 – offen, Einhand (Jugendklasse)

Aufbautraining
Vorbereitung auf weiterführende olympische Folgeklassen
Zielwettkampf: Deutsche Jugendmeisterschaft U15 und U16

  • Laser Radial – offen, Einhand (Jugendklasse)

Aufbautraining
Vorbereitung auf die olympischen Klassen Laser Radial für Frauen und Laser Standard für Männer
Zielwettkampf: Deutsche Jugendmeisterschaft U17

  • 420er – weiblich + männlich, Zweihand (Jugendklasse)

Aufbautraining
Vorbereitung auf die olympische Klasse 470er für Frauen und Männer
Zielwettkampf: Deutsche Jugendmeisterschaft U17

  • Laser Radial – weiblich, Einhand (olympische Klasse)

Aufbautraining, systematisches Leistungstraining, Anschlussförderung
Zielwettkampf: Deutsche Jugendmeisterschaft U17, Deutsche Meisterschaft, Jugendeuropameisterschaft, Jugendweltmeisterschaft

  • Laser Standard – männlich, Einhand (olympische Klasse)

Aufbautraining, systematisches Leistungstraining, Anschlussförderung
Zielwettkampf: Deutsche Juniorenmeisterschaft U19, U22, Jugendeuropameisterschaft, Jugendweltmeisterschaft

  • 470er – weiblich + männlich, Zweihand (olympische Klasse)

Aufbautraining, systematisches Leistungstraining, Anschlussförderung
Zielwettkampf: Deutsche Jugend- und Juniorenmeisterschaft U17, U19, U22, Deutsche Meisterschaft, Jugendeuropameisterschaft, Jugendwetmeisterschaft

  • 49erFX – weiblich, Zweihand (olympische Klasse)

Aufbautraining, systematisches Leistungstraining, Anschlussförderung
Zielwettkampf: Deutsche Juniorenmeisterschaft U19, U22, Deutsche Meisterschaft, Jugendeuropameisterschaft, Jugendweltmeisterschaft

  • 49er – männlich, Zweihand (olympische Klasse)

Aufbautraining, systematisches Leistungstraining, Anschlussförderung
Zielwettkampf: Deutsche Juniorenmeisterschaft U19, U22, Deutsche Meisterschaft, Jugendeuropameisterschaft, Jugendweltmeisterschaft


 6  Stützpunkt- und Trainingssystem

Der Segler – Verband Niedersachsen e.V. arbeitet für jede Klasse mit einem Honorartrainer. Für die Trainingsarbeit auf Landesebene stehen folgende Landesstützpunkte des SVN zur Verfügung: Steinhuder Meer und Dümmer See

Motorboote und Trailer werden von den Honorartrainern in Absprache mit dem Sportwart Leistungssegeln selbst verwaltet, gepflegt und gelagert.

Neben den Trainingseinheiten an den LStP finden Schwerpunkttrainingsmaßnahmen auf geeigneten Seerevieren statt, z.B. Ostsee, Gardasee, Mittelmeer.

Für die organisatorische und sportfachliche Leitung der zentralen Trainingsstützpunkte ist der Sportwart Leitungssegeln zuständig. Die Jahresplanung wird von den Honorartrainern zusammen mit dem Sportwart Leistungssegeln erstellt.

Der Segelsport hat sich zunehmend zu einer Ganzjahressportart weiterentwickelt. Die Ausbildung der Leistungskader erfordert daher heute möglichst ein ganzjähriges Wassertraining. Dies ist in heimischen Revieren nur bedingt möglich, daher werden in den Wintermonaten und im Frühjahr Trainingsmaßnahmen außerhalb Deutschlands durchgeführt. Darüber hinaus finden insbesondere in den Wintermonaten Konditions- und Theoriemaßnahmen statt.

 

7  Zusammenarbeit mit dem LandesSportBund Niedersachsen und dem Olympiastützpunkt Hannover

Auf Grundlage der sportlichen Leistungen bekommt der SVN vom LandesSportBund Niedersachsen die Grundförderung. Die Zusammenarbeit mit dem OSP Hannover begrenzt sich auf die medizinische Betreuung und Leistungsdiagnostik sowie die Grundbetreuung.

 

8  Zusammenarbeit mit dem Deutschen Segler – Verband (DSV) und Bundesstützpunkt Kiel

Der SVN und der DSV haben gemeinsame leistungssportliche Ziele. Der entsprechende Weg dorthin ist in der DSV-Leistungskonzeption beschrieben. Die partnerschaftliche Zusammenarbeit ist für beide Seiten von hoher Bedeutung. (http://www.dsv.org/fileadmin/user_upload/media/_regatta_olympia/pdf/Leistungssportstruktur_2013-2016_II.pdf)

Der Bundesstützpunkt Segeln befindet sich in Kiel, sowie die Bundesnachwuchsstützpunkte in Kiel und Rostock / Warnemünde, hier wird in den D-Kadern angestrebt möglichst viele Trainigsmaßnahmen dort durchzuführen und Segler in die dort ansässigen Trainingsgruppen zu integrieren vor allem in den olympischen Bootsklassen, um sie schneller auf das Bundeskaderniveau zu bringen.

 

9  Finanzierung

Zur Erfüllung seiner Aufgaben im Leistungssport stehen dem SVN vom LSB Niedersachsen hierfür bewilligte Geldmittel zur Verfügung. Zusätzliche Mittel werden über den Haushalt des SVN bereitgestellt. Benötigte Mittel ergeben sich aus der jeweiligen Jahresplanung, die vom Sportwart Leistungssegeln auf Grundlage der leistungssportlichen Ziele erstellt wird.